ATPL - Die Lizenz zur Arbeitslosigkeit?

Perspektiven

Wer sich intensiver mit dem Thema ATPL beschäftigt, kommt nicht um die aktuelle wirtschaftliche Lage herum. Was dieses Thema anbelangt, wird einem angehenden Verkehrspiloten einiges an Realitätssinn abverlangt. Denn man muss einfach ehrlich sein: In Deutschland ist der Markt derzeit mehr als nur übersättigt. Und das schon seit einiger Zeit. Denn schon 2013 wurde in den Medien klar, dass die Lufthansa, das Ziel vieler angehender Piloten, viel zu viele Flugschüler ausgebildet hat. Die Folge war ein Einstellungsstop, der 2015 sogar schon soweit ging, dass für das Bewerbungsverfahren nicht einmal mehr Bewerbungen entgegen genommen wurden.

Da ich 2015 erst mein Abitur gemacht habe, fiel ich genau in den Einstellungsstop. Rückblickend betrachtet bin ich allerdings auch froh darüber; denn die jetzt fertigen NFFs der Lufthansa haben nur einen MPL in die Hand gedrückt bekommen. Folge: Sie müssen warten bis bei der Lufthansa ein Platz für sie im Cockpit frei wird. Einfach zu einer anderen Airline gehen oder bei einer Regionalfluggesellschaft fliegen ist damit nicht so einfach möglich. Den Eigenanteil von rund 75.000€ haben die NFFs trotzdem zu tragen.

Doch nicht nur bei der Lufthansa sieht es mau aus: Auch andere deutsche Airlines haben ihren Bedarf gedeckt. Und die Stellen die dann mal frei werden, sind eigentlich nur über gute Beziehungen zu den Personalabteilungen der Airlines zu bekommen.
Da kommt natürlich die Frage auf, warum man sich das dann trotzdem antut. Ganz einfach: Es ist ein Kindheitstraum. Und für diesen Traum bin ich jedenfalls bereit auch einiges Aufzugeben. Denn realistisch betrachtet, sehe ich mich am Ende der ATPL Ausbildung nicht in einem deutschen Cockpit sitzen. So komme ich auch schon zu den Aussichten im Ausland: Sie sind, Stand Oktober 2016, durchaus realistisch. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass die Luftfahrtindustrie so schnelllebig ist, dass eine genaue Prognose so gut wie unmöglich ist. Und in zwei Jahren, solange wie in etwa die ATPL Ausbildung dauert, kann viel passieren! Daher sollte man gerade bei Info-Veranstaltungen von Flugschulen vorsichtig sein, was die Aussagen bezüglich Job-Aussichten anbelangt. Wenn man zu solchen Veranstaltungen geht, sollte einem Bewusst sein, dass die schlechten Aussichten für Pilotenjobs in Deutschland sich natürlich auch bei den Flugschulen bemerkbar machen und diese ja auch ihre ATPL-Kurse voll bekommen wollen (müssen). Da können die Verbindungen der Flugschulen zu den Airlines (ja, damit wird bei jeder Flugschule groß geworben) noch so toll sein. Wenn einfach keine Stelle frei ist, nützen diese Beziehungen einem auch nichts.

Daher möchte ich jedem der mit einer ATPL Ausbildung liebäugelt raten: Stellen Sie sich folgende Frage: Sind Sie bereit auch außerhalb von Deutschland zu wohnen um dort ihren Traum ausleben zu können?
Können Sie sich mit diesem Gedanken anfreunden, dann haben Sie schonmal eine wesentliche Frage geklärt. Denn das letzte was man heutzutage als junger Pilot haben darf ist Anspruchsdenken. Das ist (leider) die Realität.